Gründungsgeschichte
Vorgeschichte des KGGS-Vereins
Es gibt viele Gehörlosenvereine und Hörgeschädigten-Zentren. Meistens kommen Gehörlose und Gebärdensprachler dorthin, aber nur selten Hörende, obwohl sie auch gebärden können. Allein der Name “Gehörlosen-…..” oder “Hörgeschädigte” schreckt viele Hörende ab, in diese Vereine oder Zentren einzutreten. Oft glauben sie auch, sie hätten dort nichts zu suchen. Dabei wünschen sich viele Gebärdensprachler, gleichgültig, ob sie hören können oder nicht, zusammenzukommen und die Gebärdensprache und die Gehörlosenkultur zu pflegen. Die heutige Generation der Gehörlosen wird immer mehr selbstbewußt und wollen nicht mehr als bemitleidenswert behandelt werden. Deshalb entstand die Idee, einen Verein zu gründen, wo alle – unabhängig von ihrem Hörstatus -, die Gebärdensprache benutzen und unterstützen, sich gleichwertig fühlen und gleichgestellt werden. In diesem Verein sind die Begriffe „gehörlos“, „schwerhörig“, „hörgeschädigt“ u.ä. nicht von Bedeutung, da sie stets den Eindruck von einer Behinderung erwecken. Die Gebärdensprache steht im Vordergrund, nicht der Hörstatus.
Im Folgenden kann man nachlesen, wie es zur Gründung des Vereins KGGS kam.
In diesem Café “Orient Expresso” auf dem Templer-graben in Aachen trafen sich im Jahr 2000 und 2001 schon öfter die Leute, die Interesse hatten, einen neuen Verein zu gründen. Es waren nicht nur gehörlose, sondern auch hörende Leute dabei. Man unterhielt sich – selbstverständlich immer in der Gebärdensprache – darüber, was man im neuen Verein haben will.
Eine neue Satzung musste her! So überlegte man, was in die Satzung reinkommen sollte. Vor allem musste darüber diskutiert werden, welche Ziele der Verein verfolgen will und welche Zwecke er erfüllen muss. Es gab natürlich auch verschiedene Meinungen. Aber man unterhielt sich sachlich darüber.
Allein für die Satzung musste man sich mehrmals treffen und an dem Satzungsentwurf arbeiten. Es war eine mühsame Kleinarbeit. Der Entwurf wurde oft korrigiert, bis alle Beteiligten zufrieden waren. Man war sich sicher, dass ein Verein gegründet werden konnte.
Eine bunte Mischung von motivierten Leuten : Gebärdensprachdozenten, Erzieherin, Linguisten, Sozialpädagogin, Handwerker, Gebärdensprachdolmetscherinnen, Fremdsprachübersetzerin, Reprodrucker, Wissenschaftler und viele andere Berufstätige oder Eltern.
Für die Satzung wurde auch hitzig diskutiert, wie der Vorstand besetzt werden sollte. Gehörlose und Hörende oder nur Gehörlose? Und welches Mischungsverhältnis? Das wurde eine lange Diskussion. Denn in vielen Verbänden gibt es oft einen Vorstand, der nur aus hörenden Vorstandsmitgliedern besteht. Genaus das wollte man nicht haben. Man entschied sich für eine Mischung, wobei der erste und der zweite Vorsitzende gehörlos und DGS-kompetent sein mussten.
Denn in der heutigen Zeit gibt es immer mehr selbstbewusste Gehörlose, die die Sache in die Hand nehmen können. Besonders wichtig ist, dass sie selbst sich für andere Gehörlose einsetzen können. Und sie kennen die Identität Gehörloser und die Kultur selbst sehr gut.
Die Zusammenarbeit war spannend und aufschlussreich. Es gab sehr viele Ideen und Vorschläge. Kurzum: es machte Spaß! Alle Beteiligten waren motiviert.
Am 4. Oktober 2000 war es endlich soweit: Gründungsversammlung! Es kamen 13 Leute – das sind Gründungsmitglieder – zum Café “Orient Expresso” auf dem Templergraben in Aachen. Es soll ein neuer Vorstand gewählt werden. Man war mehr oder weniger aufgeregt, was dabei rauskommen würde. Uwe Zelle (Bild rechts) war der Wahlleiter.
Es gab eine große Überraschung: Der Vorstand besteht aus nur gehörlosen Vorstandsmitgliedern! Man hatte damit gerechnet, dass ein oder zwei Hörende gewählt werden würden. Der gewählte Beisitzer ist auch gehörlos.
1. Vorsitzende: Isa Werth
2. Vorsitzende: Horst Sieprath
1. Kassierer: Olaf Quade
2. Kassierer: Uwe Zelle
Schriftführer: Roswitha Coenen
Beisitzer: Stefan Hintzen
Nun kann es losgehen. Die Satzung wurde beim Amtsgericht Aachen eingereicht. Nach gewissen Änderungen und Korrekturen bekam der Verein Kulturgemeinschaft Gebärdensprache die Eintragung in das Vereinsregister.
Der Vorstand ist motiviert und nimmt die Sache in die Hand. Sie will eine Öffentlichkeitsarbeit machen und verschiedene Arbeitsgruppen und Treffs aufbauen und verschiedene Seminare o.ä. anbieten.